Digitale Bohéme revisited

Wie Coworking, ROWE und Marke Eigenbau die Organisation verändern - Forschergruppe-Kaleidoskop mit Holm Friebe.

Das Internet transformiert nicht nur Marktplätze und Geschäftsmodelle, sondern immer stärker auch die Arbeitswelt. Die neuen technischen Möglichkeiten der Vernetzung und Kollaboration treffen auf das veränderte Mindset einer Generation, die Autonomie und Selbstbestimmung bei der Arbeit höher schätzt als Posten und planbare Karrieren.

Was sich in den WLAN-Cafés der Metropolen als Avantgarde der Arbeitsgesellschaft formierte, schwappt nun in den Mainstream herüber und verändert auch den klassischen Arbeitsplatz. Projektifizierung, Results Only Work Environments, Open Source und Customer-Co-Creation sind Schlagworte und Symptome einer schleichenden Revolution, die die Arbeits- und Organisationsformen der Wirtschaft drastisch verändern wird: Von der Routinearbeit zum Projekt, von der Matrix-Hierarchie zur emergenten Selbstorganisation, vom stationären Unternehmen zum virtuellen Netzwerk.

Holm Friebe, der in seinem Sachbuch-Bestseller "Wir nennen es Arbeit" zusammen mit Sascha Lobo 2006 den Begriff der "Digitalen Bohème" prägte und in "Marke Eigenbau" zusammen mit Thomas Ramge die Revolution des Selbermachens skizziert, zeigt die wichtigsten Vektoren hinter dem Wandel der Arbeitswelt auf, der durch die Wirtschaftskrise eher noch beschleunigt wird. Denn Krisenzeiten gestatten es, auch utopisch scheinende emanzipatorische Ziele ernsthaft zu diskutieren. Das Projekt heißt, den Menschen wieder mehr Verfügungsgewalt über die eigene Arbeit, den eigenen Tag und das eigene Leben zu verschaffen.



Holm Friebe beim Neuwaldegger Forschergruppe-Kaleidoskop 2010

"Die Individualisierung, die der wichtigste gesellschaftliche Trend des 20. Jahrhunderts war, könnte damit im 21. Jahrhundert erst ihre eigentliche Qualität offenbaren: indem Individuen ihre Individualität nicht mehr nur über den Konsum, sondern auch darüber entfalten, was, wann und wie sie arbeiten."

Holm Friebe, Jahrgang 1972, Diplom-Volkswirt, ist Geschäftsführer des virtuellen Thinktanks ?Zentrale Intelligenz Agentur? und des grimmeprämierten Weblogs Riesenmaschine.de. Er unterrichtet Trendforschung an der Hochschule für Gestaltung in Zürich und schreibt eine monatliche Trendkolumne für die Berliner Zeitung.

Buchveröffentlichungen

Holm Friebe und Sascha Lobo: "Wir nennen es Arbeit - die digitale Bohème oder intelligentes Leben jenseits der Festanstellung". Heyne Verlag, 2. Aufl., 2008.

Holm Friebe, Thomas Ramge: "Marke Eigenbau - Der Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion".- Campus Verlag, 2008.

Holm Friebe, Kathrin Passig, Martin Baaske (Illustrator): "Das nächste große Ding - Neues von den Fronten des Fortschritts". Verbrecher Verlag, 2006.