Zwischen Globalisierung und Fragmentation

Ein Jahr nach den schockierenden Anschlägen auf das Wirtschaftswahrzeichen „World Trade Center“ und das Pentagon stellen sich immer noch viele Fragen nach den Tätern und politischen Konsequenzen. Wir wollen in der Zeit um den 11. September das Thema aus einer anderen Perspektive beleuchten. Wir fragen danach, welche möglichen Erklärungen es gibt und welche Entwicklungslinien sich erkennen lassen. Und was heißt das dann für die Führung von internationalen Unternehmen?

Wir wollen uns mit folgenden Fragen näher beschäftigen:

  • Wie hat und wird sich die immer globaler werdende Welt in Folge des 11. September 2001 weiter entwickeln?
  • Welche Konfliktlinien sind erkennbar und werden sich möglicherweise noch ergeben?
  • Wie wird die Wirtschaft mit diesen Konfliktlinien umgehen?
  • Wie muss sich die Führung von Unternehmen verändern, insbesondere von solchen Unternehmen, die international oder global agieren und Mitarbeiter mit unterschiedlichsten kulturellen, religiösen und ethnischen Abstammungen beschäftigen?
  • Was müssen in Folge dessen Manager internationaler Unternehmen wissen, können und berücksichtigen?

1993 gab es einen Workshop der Forschergruppe Neuwaldegg zum Thema „Die Wirtschaft in Anbetracht der Konfliktlage der Welt“. Der Friedensforscher Johan Galtung und der Islamwissenschaftler Bassam Tibi gaben damals sehr treffende Prognosen über die Entwicklung der Konfliktherde der Welt ab. Sie prophezeiten unter anderem eine Verstärkung des Konfliktes zwischen westlicher und islamischer Kultur und die Entwicklungen in Ex-Jugoslawien.

Wir haben die beiden Forscher nun nochmals eingeladen, um mit ihnen aufgrund der derzeitigen Situation, die neuen sich stellenden Fragen zu erörtern. Wir wollen dies in zwei Veranstaltungen tun, in denen sich Johan Galtung und Bassam Tibi dem Thema aus ihren jeweiligen Perspektiven nähern.

Dr. h.c. mult. Johan Galtung, geboren 1930 in Oslo, ist Professor für Friedensforschung und Direktor von TRANSCEND (http://www.transcend.org), einem Netzwerk für Frieden und Entwicklung, promovierte in Mathematik und Soziologie. 1959 gründete er das International Peace Research Institute, Oslo, und 1964 das Journal of Peace Research. Er wurde für seine Arbeit als Friedensforscher vielfach international ausgezeichnet, u.a. mit dem Alternativen Friedensnobelpreis.

Prof. Dr. Bassam Tibi, geboren 1944 in Damaskus, ist Professor für internationale Beziehungen in Göttingen und seit 1998 Bosch-Forschungsprofessor in Harvard. Es ist bekannt durch regelmäßige Fernsehbeiträge und Publikationen in Die Zeit, Der Spiegel und Fokus. Seine Bücher über den Islam finden weltweite Beachtung, u.a. erschien von ihm „Der Islam und Deutschland“ sowie „Kreuzzug und Djihad. Der Islam und die christliche Welt“. Seit Jahren wirbt er für einen mit Pluralismus und Demokratie zu vereinbarenden Islam.