Neuwaldegger Top-Management Survey

Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern hindert Unternehmen am Wachstum. Führungskräfte aus Österreich, Deutschland und der Schweiz bestätigen dies im Rahmen des Neuwaldegger Top-Management Survey 2008, einer jährlich unter 300 Führungskräften in Zusammenarbeit mit OGM durchgeführten Studie. Der Fachkräftemangel ist besonders für Schweizer (64 %) und österreichische (53 %) Manager der stärkste Wachstumshemmer für ihr Unternehmen. Auftragsmangel (25 %) und fehlende Managementkapazität (16 %) werden als weitere Wachstumsbremsen genannt.


Erster Teil: Finden und Halten von Mitarbeitern

Größter Wachstumshemmer sind zu wenige qualifizierte Mitarbeiter

  • Für jeden zweiten Manager in D-A-CH ist der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern der größte Wachstumshemmer für sein Unternehmen
  • 30 % sind auf das Gewinnen und Halten von Mitarbeitern sehr gut eingestellt
  • 70 % setzen auf Weiterbildungsangebote, flexible Arbeitszeiten oder Socializing
  • Mangelnde Führungskompetenz des Chefs: Für mehr als 50 % der Manager der Grund, warum qualifizierte und engagierte Mitarbeiter ein Unternehmen verlassen

In Deutschland scheint das Problem fehlender Fachkräfte nicht so gravierend zu sein. Nur 37 % der Top-Kräfte nennen es als Wachstumshindernis. „In kleineren Ländern sind Veränderungen rascher spürbar und da wird auch schneller reagiert,“ erklärt Michael Patak, geschäftsführender Gesellschafter der Beratergruppe Neuwaldegg, die unterschiedlichen Sichtweisen. „Es ist leicht möglich, dass Österreich und die Schweiz in den kommenden Jahren Vorreiter sein werden, wenn es um entsprechendes Gegensteuern geht.“
Das Gewinnen und Halten von guten Mitarbeitern gewinnt somit weiter an Bedeutung. Knapp 30 % der Manager in D-A-CH schätzen, dass ihr Unternehmen sehr gut darauf eingestellt ist, rund 60 % meinen, ihre Firma wäre teilweise vorbereitet. „Diese Selbsteinschätzung überrascht doch etwas,“ so Michael Patak. „In vielen Unternehmen wurde in den letzten Jahren mehr gespart und abgebaut als in Mitarbeiter investiert. Dadurch sinken Identifikation und Loyalität.“

Weiterbildung, flexible Arbeitszeiten, Feste feiern

Was tun nun die Unternehmen konkret, um ihre Mitarbeiter bei der Stange zu halten? 72 % der befragten Führungskräfte setzen auf vielfältige Weiterbildungsangebote, in der Schweiz sind es sogar 84 %. An zweiter Stelle stehen flexible Arbeitszeitregelungen (70 %), gefolgt von klassischen integrativen Maßnahmen wie Betriebsausflügen und Mitarbeiterveranstaltungen (67 %).
Interessant ist, dass 55 % der Manager Coaching als Angebot für Mitarbeiter nennen. Diese Maßnahme ist besonders in Deutschland schon gängig (63 %), Österreich hinkt hingegen deutlich hinterher (39 %). Beteiligungsmodelle bzw. sehr gute Gehälter werden von knapp 50 % der befragten Führungskräfte ins Treffen geführt, in diesem Punkt hat wieder die Schweiz die Nase vorn (57 %). Sportprogramme und Gesundheitsvorsorge bieten 45 % der Unternehmen, auch hier hat Österreich noch Aufhol-Potenzial (36 %).

Kündigungsgrund: der eigene Chef

Alle Bindungsmaßnahmen nützen allerdings wenig, wenn das Verhältnis Führungskraft – Mitarbeiter nicht stimmt. Mehr als 50 % der befragten Top-Manager stimmen der Aussage „Der wichtigste Grund, warum qualifizierte und engagierte Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, ist die mangelnde Führungskompetenz der Chefs“ zur Gänze oder zumindest teilweise zu. Diese allgemeine selbstkritische Einschätzung wird in Tourismus- und Freizeitwirtschaft mit 88 % bzw. in der Informations- und Consultingbranche mit 85 % noch übertroffen – beides sind Branchen mit hoher Mitarbeiterfluktuation.
Michael Patak von der Beratergruppe Neuwaldegg plädiert daher für konsequente und nachhaltige Investitionen in den Aufbau von Führungsqualitäten. „Das Optimieren von Leadership-Kompetenz ist die beständigste Maßnahme, um qualifizierte und engagierte Mitarbeiter nicht nur zu gewinnen, sondern vor allem auch zu halten.“

Handlungsfeld Politik

Aber nicht nur für viele Unternehmen, auch für die Politik besteht Handlungsbedarf. Qualifizierte Kräfte müssen zuwandern können, der Staat muss vermehrt in das Aus- und Weiterbildungsangebot investieren. Denn immer mehr Unternehmen verlagern Arbeitsplätze in diejenigen Länder, wo sie günstige Fachkräfte auch tatsächlich vorfinden.