Reaktionen der österreichischen Unternehmen auf die derzeitige Wirtschaftsentwicklung

Trotz Finanzkrise geben sich Österreichs Manager optimistisch. Beratergruppe Neuwaldegg warnt vor kollektiver Verdrängung der Finanzkrise.

Österreichs Unternehmen lassen sich trotz starker Turbulenzen am globalen Finanzmarkt und im Euroraum nicht die gute Laune verderben. Das Ergebnis einer Konjunkturbarometer-Umfrage, die die Beratergruppe Neuwaldegg Ende November durchgeführt hat, birgt so manche Überraschung.

Nur 39 Prozent der befragten Manager rechnen im kommenden Jahr mit einer volatilen Wirtschaftsentwicklung – 38 Prozent erwarten sogar ein stabiles Wachstum. Julia Culen, geschäftsführende Gesellschafterin der Beratergruppe Neuwaldegg, ist erstaunt über dieses Ergebnis. Die erfahrene systemische Unternehmensberaterin sieht in der betont optimistischen Haltung der befragten Top-Manager eine „Verdrängung der Krise“. Die Verdrängung von etwas, das nicht sein sollte. „Die Hoffnung auf eine positive Entwicklung verstärkt diesen betonten Zweckoptimismus – eine häufig auftretende Reaktion auf bevorstehende schwierige Zeiten“, so Culen. Auch Alexander Exner, Gründer und Partner der Beratergruppe Neuwaldegg, spricht von einer „Scheuklappentechnik, die daraus resultiert, dass man nicht als Schwarzmaler gesehen werden will und der Hoffnung, dass es einen selbst ja schon nicht treffen wird“.

Wachstumsfördernde Geschäftsmodelle statt Sparmaßnahmen geplant

Neben einer Einschätzung der derzeitigen Wirtschaftsentwicklung wurden 314 österreichische Unternehmen mit mehr als 100 MitarbeiterInnen aus den Branchen Handel, Gewerbe und Industrie, Dienstleistung, Bank und Versicherung, Tourismus, Verkehr und Transport auch nach spezifischen Maßnahmen als Reaktion auf die volatilen Wirtschaftsentwicklungen befragt. Das Ergebnis: 39 Prozent setzen auf neues Wachstum durch innovative Geschäftsmodelle, neue Produkte und Märkte. Nur 14 Prozent planen harte Schnitte in Form von kostenseitigen Einsparungen bei Personal oder Produktion. Dieses Ergebnis ist für die Experten der Beratergruppe Neuwaldegg klar nachvollziehbar. „Das Potenzial der Kosteneinsparungen hat sich bereits in der Krise 2008 erschöpft. Weitere Sparmaßnahmen würden an die Substanz der Unternehmen gehen“, so die Analyse von Julia Culen.

Das Unplanbare planen lernen

26 Prozent der Befragten gaben an, auf die derzeitige Wirtschaftslage gar nicht zu reagieren. „Einfach so weitermachen wie bisher ist jedoch zu wenig um volatile Zeiten unbeschadet zu überstehen“, warnt Alexander Exner. Auch Hurra-Rufe über punktuelles Wachstum seien verfrüht und sollten von strategischen Überlegungen abgelöst werden.

Den Umstand, dass eine nachhaltige Volatilität von den meisten Managern zwar realisiert, nicht aber an adäquaten Lösungen gearbeitet wird, bezeichnet Exner als bedenklich. „Manager lernen in ihrer Ausbildung Wirtschaftswachstum zu managen und nicht Stagnation oder Schrumpfung zu organisieren. „Auf die Frage: ‚Wie plant man das Unplanbare‘, wissen die wenigsten eine adäquate Antwort“, problematisiert der Spezialist für Unternehmenssteuerung die derzeit vorherrschende Ratlosigkeit unter Österreichs Unternehmern. „Volatile Zeiten und Umbruchphasen erfordern eine radikale Veränderung in der Unternehmenssteuerung. Das zu realisieren ist für viele Unternehmer schwierig und mit Widerstand verbunden“.
Wenn an Veränderungen im Unternehmen gedacht wird, dann wurden in der Umfrage hauptsächlich die Bereiche Organisationsstrukturen und –prozesse sowie Personalstrategien angeführt. Nur 10 Prozent der Befragten sehen einen Veränderungsbedarf der Unternehmenskultur. „Das ist sehr bedauerlich“, kommentiert Julia Culen dieses Ergebnis. „Besonders in volatilen Zeiten ist das Reflektieren des Unternehmens zu den gelebten Werten sowie die Definition der eigenen Unternehmenskultur von großer Bedeutung – da diese die treibenden Kräfte zum Überleben des Unternehmens sind.“

Flexibilität und Umdenken sind gefragt

42 Prozent der befragten Unternehmer gaben an, Veränderungen in den Bereichen Organisationsstruktur und -prozesse zu überlegen. 40 Prozent wollen die Unternehmensstrategie adaptieren, aber nur für 4 Prozent kommt eine komplett neue Unternehmensstrategie in Frage.
„Eine unsichere Wirtschaftslage erfordert ein hohes Maß an Flexibilität, ein Überdenken alter Strukturen und Planungssysteme“, betont Exner. So hat es seiner Meinung nach wenig Sinn in Zeiten unsicherer Märkte an 5-Jahresplänen festzuhalten. „Eine rollierende Produktions- und Budgetplanung schafft die erforderliche Flexibilität“, so Exner.

Volatilitätsstrategie

Mit einer eigens ausgearbeiteten Volatilitätsstrategie versucht der Beratungsexperte Alexander Exner in Kooperation mit der langjährig erfahrenen Unternehmensberaterin Hella Exner (Exner Beratung GmbH) Orientierungshilfe anzubieten. Die 9 Stoßrichtungen der Volatilitätsstrategie beinhalten neben Anregungen zu gezielter Reflexion, radikalen und raschen Entscheidungen, bewusstem Wahrnehmen von Widersprüchen und Veränderungen, einer Neubewertung von ökonomischen Orientierungsgrößen auch bewusstes Bewahren der Unternehmensidentität.

„Was Unternehmen in der momentanen Wirtschaftssituation auf keinen Fall tun dürfen ist den Kopf in den Sand zu stecken. Es gilt die Devise die Umwelt aktiv zu beobachten und am Puls der Zeit zu bleiben“, so das Resümee der Experten der Beratergruppe Neuwaldegg.